PrestaShop versendet keine E-Mails mehr: die vollständige Diagnose
Bestellbestätigungen kommen nie an, das Kontaktformular bleibt stumm: Die Ursache liegt selten dort, wo man sucht. Diagnose in vier Stufen und die SMTP-Regression in Version 9.

Ein stiller und teurer Ausfall
Wenn PrestaShop keine E-Mails mehr versendet, geht sichtbar nichts kaputt. Bestellungen laufen ein, das Backoffice arbeitet. Nur bekommt der Kunde keine Bestätigung, ruft beim Kundenservice an – und das Vertrauen bröckelt. Viele Händler entdecken das Problem erst Wochen nach seinem Auftreten.
Die Diagnose läuft in vier Stufen, von der einfachsten zur technischsten. Überspringen Sie keine: Die Ursache liegt oft schon auf Stufe 1.
Stufe 1: die PrestaShop-Konfiguration
Gehen Sie zu Erweiterte Einstellungen > E-Mail.
Die häufigste Falle lässt sich direkt in der Datenbank ablesen:
SELECT name, value FROM ps_configuration WHERE name LIKE 'PS_MAIL%';
Der Parameter PS_MAIL_METHOD kennt drei Werte: 1 für die mail-Funktion von PHP, 2 für SMTP und 3 für deaktiviert. Der Wert 3 ist die mit Abstand häufigste Ursache für „es geht überhaupt keine E-Mail raus“. Manchmal setzt ihn ein Modul, manchmal wird er in einer Testphase gesetzt und danach vergessen.
Prüfen Sie anschließend die Absenderadresse. Sie muss zu Ihrer Domain gehören. Ein Shop, der von einer Gmail- oder Yahoo-Adresse aus versendet, wird von den meisten Empfangsservern abgewiesen.
Nutzen Sie zuletzt die Testfunktion auf dieser Seite: Sie liefert eine unverfälschte Fehlermeldung, die weit nützlicher ist als ein Test über den Bestellprozess.
Stufe 2: die SMTP-Regression in PrestaShop 9
Dieser Fall verdient einen eigenen Abschnitt, denn er trifft Shops, an deren Konfiguration sich nichts geändert hat.
PrestaShop 9 hat Swift Mailer durch Symfony Mailer ersetzt, und die SSL-Verschlüsselung ist aus der Abstraktionsschicht verschwunden: Angeboten werden nur noch TLS oder gar keine Verschlüsselung. Beobachtete Folge: Die Verbindungszeichenkette wird als ssl://serveur:587 aufgebaut, wo Version 8 noch tcp://serveur:587 verwendete.
Port 587 erwartet aber STARTTLS, also eine zunächst unverschlüsselte Verbindung, die anschließend auf Verschlüsselung umschaltet – und kein implizites SSL. Der Server antwortet dann mit einem Fehler dieser Art:
SSL operation failed with code 1
error:0A00010B:SSL routines::wrong version number
Diese sehr irreführende Meldung weist nicht auf ein Zertifikatsproblem hin, sondern auf eine Protokollinkompatibilität.
Die sofortige Umgehung besteht darin, auf Port 465 mit SSL zu wechseln, was zuverlässig funktioniert. Bietet Ihr Anbieter keinen Port 465 an, bleibt der Weg über einen Transaktions-E-Mail-Dienst mit eigenem Modul.
Sind Ihre E-Mails genau zum Zeitpunkt eines Umstiegs auf Version 9 ausgeblieben, ist das die erste Spur, der Sie nachgehen sollten.
Stufe 3: die Authentifizierung Ihrer Domain
Ihre E-Mails gehen raus, kommen aber nicht an. Das ist ein anderes Problem – und heute das häufigste.
Die Mailanbieter verlangen drei DNS-Einträge:
- SPF: erlaubt dem versendenden Server, für Ihre Domain zu senden. Achten Sie auf die Grenze von zehn DNS-Auflösungen, die bei mehreren kombinierten Diensten schnell erreicht ist.
- DKIM: signiert die Nachrichten kryptografisch. Die Einrichtung erfolgt beim Versanddienst, der Ihnen den zu veröffentlichenden öffentlichen Schlüssel liefert.
- DMARC: legt fest, was bei einem Fehlschlag der beiden vorherigen Prüfungen geschehen soll. Beginnen Sie mit der Richtlinie
none, um zu beobachten, und verschärfen Sie danach.
Bei einer Domain ohne DKIM landet ein erheblicher Teil der Nachrichten im Spam – ganz ohne Fehlermeldung auf Serverseite. Prüfen Sie Ihre Einträge mit einem Testwerkzeug und lesen Sie die Kopfzeilen einer empfangenen Nachricht: Dort steht das Ergebnis jeder einzelnen Prüfung.
Stufe 4: Versandwarteschlange und Logs
PrestaShop führt eine Historie der versendeten Nachrichten:
SELECT recipient, subject, date_add FROM ps_mail ORDER BY date_add DESC LIMIT 20;
Tauchen dort aktuelle Zeilen auf, hat PrestaShop den Versand tatsächlich versucht: Das Problem liegt weiter hinten, beim versendenden oder empfangenden Server. Ist die Tabelle leer, liegt es weiter vorn – in der Konfiguration oder beim Auslösen des Hooks.
Sehen Sie außerdem in var/logs/ und im PHP-Fehlerprotokoll Ihres Hosters nach. Ein SMTP-Verbindungsfehler steht dort in der Regel im Klartext.
Sonderfall: E-Mails, die von einer geplanten Aufgabe ausgelöst werden (Erinnerungen, Berichte), scheitern manchmal, während Transaktions-E-Mails funktionieren. Die Ursache ist fast immer die geplante Aufgabe selbst und nicht der Versand. Siehe dazu unseren Beitrag über Cronjobs, die nicht laufen.
Die empfohlene Einstellung
Für einen Shop im Livebetrieb scheidet die mail-Funktion von PHP aus: Sie versendet über die geteilte IP-Adresse des Hosters, deren Reputation nicht in Ihrer Hand liegt.
Robust wird es mit einem dedizierten Transaktions-E-Mail-Dienst über authentifiziertes SMTP, mit korrekt veröffentlichtem SPF und DKIM sowie einer Überwachung der Zustellrate. Die Kosten sind gering, der Unterschied bei der Zuverlässigkeit erheblich.
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